Der 2026 Tag widmet sich der
Alberto Fortuzzi
Alberto Fortuzzi
Geboren in Neapel 1955, hat seine Ausbildung in Rom bei Alessandro Fersen, in Paris bei Jacques Lecoq und Carlo Boso, und in Perugia bei Dario Fo absolviert. Die Commedia dell’Arte ist seitdem sein geliebtes Zuhause. Seine Schauspiel-Lehrtätigkeit führte ihn nach Frankreich, USA, Kanada, Polen, Osterreich, Schweiz und natürlich Deutschland, wo er heute mit seiner Familie auch lebt. Die wichtigsten Stationen: 2017 Im Auftrag von der projektfabrik.org und im Rahmen des Jobacts inszeniert er „Freundschaft, Liebe und andere gefährlichen Wahlverwandschaften“ frei nach Goethe und Schiller. Frühjahr 2017, am Stadttheater Zittau wirkt er als Schauspieler für die deutsche Uraufführung von „Sextett“ mit, eine Komödie von Krzysztof Jaroszynski, Regie Stefan Wolfram. 2016 Im Auftrag von der projektfabrik.org und im Rahmen des Jobacts inszeniert er „Urfaust“ von Goethe. Seit Frühjahr 2016 Leiter des Fachbereichs „Szenische Bewegung“ an der Schauspielschule Charlottenburg und Dozent für die Fächer Improvisation Clown und Commediadell’Arte. 2015 Wiederaufnahme in der Hauptrolle von „Franziskus, Gaukler Gottes“ (in deutscher Sprache) von Dario Fo, Prod. Theater Rotwelsch. Das Stück bekommt seit 2008 einen angemessenen Erfolg in ganz Deutschland / Regie: „Zwangsvorstellung“ Texte von Karl Valentin, Prod. Parktheater Edelbruch; 2014 Regie: „Celestina“ von F. de Rojas, Prod. Theater Gobelin/Zimmertheater Tübingen / „Nur Kirche Küche Kinder“ von Franca Rame/Dario Fo,Prod.Lydia Wilke / „Mandragola“ von Machiavelli, Prod. Monbijou Theater Berlin / Wiederaufnahme in der Hauptrolle von „Franziskus, Gaukler Gottes“ (in deutscher Sprache) von Dario Fo, Prod. Theater Rotwelsch. 2013 Hauptrolle in „Casanova auf Schloss Dux“ von P. Gassauer (in deutscher Sprache), Prod. Prodacapo Berlin. REGIE: 2014 Inszeniert „Die Mandragola“ von Machiavelli, Monbijou Theater Berlin (ex Hexenkessel Hoftheater). Im Juni 2013 geht Alberto nach Kanada, von der dortigen Shakespeare Company Stratford und der Universität von Toronto und der DiPA (Directing in the Performing Arts) eingeladen, für zwei Workshop mit dem Titel „The Commedia dell’arte as a Possible Perspective for Theatrical Directing Today“. Seit Oktober 2013 Zusammenarbeit mit der Theaterakademie Vorpommern. Im Frühjahr 2012 kam „Candide“ frei nach Voltaire, Buch und Regie Alberto Fortuzzi, in Berlin und Potsdam Premiere, Produktion Hexenkessel Hoftheater und Stiftung preußischer Schlösser und Gärten. Im März 2011 gründet mit Matthew Burton die ‚International School of Commedia dell’Arte Berlin‘. September 2010 Lehrauftrag für Commedia dell’Arte an der Theaterakademie der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. 2010 schreibt und inszeniert „Die Insel der Erlesenen“, eine Bearbeitung von Texten von Marivaux, für das Westbahn Theater in Innsbruck. Zum Sommer 2010 gehört die Regie von „Casanova“ von A. Lortzing, Produktion Oper Oder Spree. 2009 inszeniert und spielt „George Dandin“ von Moliere mit ’Lazzo Mortale – Commedia dell’Arte Ensemble’, von ihm gegründet, in Koproduktion mit Hexenkessel Hoftheater Berlin. Das Stück wird 2010 und 2011 wiederaufgenommen. 2008 beschäftigt er sich wieder mit der Kunst des Erzählens mit dem Stück „Francesco, Gaukler Gottes“ von Dario Fo, Produktion Theater Rotwelsch. 2007 inszeniert er „Impresario von Smyrna“ von C. Goldoni am Landestheater Innsbruck. Vom 2001 bis 2006 ist Alberto Fortuzzi Professor für Szenischen Unterricht und Leiter des Fachgebiets an der HfM „Hanns Eisler“ Berlin gewesen. Dort inszeniert er „Il matrimonio segreto“ von Cimarosa, „Falstaff“ von G. Verdi, „Ariadne auf Naxos“ von R. Strauss und „Don Giovanni“ von W.A. Mozart. Die früheren Stationen: in Deutschland seit 1987 spielt am Schauspielhaus Frankfurt a.M., wo er für drei Spielzeiten hintereinander in „Diener zweier Herren“ von C. Goldoni die Hauptrolle innehat. Es folgt eine Zusammenarbeit mit der Schaubühne Berlin und der Volksbühne Berlin. Vom 1996 bis 1999 spielt er auch in ganz Deutschland „Ruzzante“ von Dario Fo (1997 in der Volksbühne am Rosenthaler Platz). Seit dem Alberto in Deutschland ist, hat er in unzähligen Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt: Tatort, Lindenstrasse, etc.

Zum Gedenken an Alberto Fortuzzi
Erfahrungsberichte
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TonyNardi
Es ist schwer zu ermessen, in welchem Maß Alberto mein Denken, Arbeiten und Leben beeinflusst hat. Manche Menschen treten in unser Leben, ohne vor uns stehen zu müssen, damit ihre Präsenz spürbar wird, um täglich Wirkung auf uns auszuüben. Alberto war für mich genau so. In einem Land (Kanada), das von Klischees über bestimmte Schauspielmethoden — insbesondere über die Commedia dell’Arte — gesättigt ist, kam Alberto genau zum richtigen Zeitpunkt. Alles geschah zufällig, oder zumindest rede ich mir das gerne ein. Aber war es wirklich ein Zufall? Diese Reise nach Rom im Jahr 1985 habe ich stets als einen grundlegenden Wendepunkt betrachtet. Ich war nicht auf der Suche nach einem Meister. Ich suchte nach etwas, das ich noch nicht benennen konnte. Alberto bot keine einfachen Antworten und keine vorgefertigten Formeln. Stattdessen bot er eine strenge Präsenz, eine scharfe Intelligenz und einen tiefen Respekt für die Kunst und für den Menschen, der sie ausübt. Was Alberto einzigartig machte, war nicht nur sein enzyklopädisches Wissen über die Commedia dell’Arte, sondern seine Fähigkeit, sie lebendig, notwendig und zeitgenössisch zu machen. Es war niemals Theaterarchäologie. Es war eine lebendige Sprache, eine anspruchsvolle Disziplin, ein Weg der Erkenntnis. Alberto lehrte keine Figuren. Er lehrte innere Strukturen. Er lehrte den Körper als Ort des Denkens, die Geste als ethischen Akt, die Maske als Instrument der Wahrheit. Er suchte nicht die Nachahmung, sondern die Verwandlung. Er hatte eine ganz eigene Art zu beobachten. Er konnte streng, bisweilen unnahbar wirken, doch hinter diesem Blick verbargen sich eine feine Ironie und eine seltene Großzügigkeit. Er sagte einem nie, was man tun sollte. Er brachte einen vielmehr in die Lage, selbst zu entdecken, was nicht funktionierte. Viele sprechen von Methode. Alberto sprach von Verantwortung. Verantwortung gegenüber dem Körper, gegenüber der Bühne, gegenüber dem Publikum, gegenüber der Tradition und vor allem gegenüber sich selbst. Mit ihm zu arbeiten bedeutete, bereit zu sein, sich ohne Abkürzungen infrage zu stellen. Auch heute noch bemerke ich, wie sehr seine Stimme in meiner täglichen Arbeit weiterklingt. In einer Pause. In einer scheinbar kleinen Entscheidung. In einem Schweigen. Nicht als Dogma, sondern als offene Frage. Es ist schwer zu akzeptieren, dass er nicht mehr da ist. Zu früh. (22. April 2025)
Video
"George Dandin" von Molière, Bearbeitung Alberto Fortuzzi und Winni Victor

